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E-Autos und die Energiemärkte

E-Autos und die Energiemärkte

10. Oktober 2018

Wie elektrische Fahrzeuge und eine verbesserte Batterie-Technologie die Energiemärkte verändern werden

Auf den Straßen ist die Veränderung noch kaum spürbar – hier und da mal eine Ladesäule, nur unwesentlich häufiger ein E-Auto. Die den Verbrennungsmotoren geschuldete städtische Luftverschmutzung in Städten ist fortwährend ein Thema. Doch wer aufmerksam die Branchennachrichten verfolgt, der dürfte keinen Zweifel hegen, dass die Elektrifizierung großer Teile des Straßenverkehrs kommen wird. Der von „Dieselgate“ gebeutelte VW Konzern, genauso aber auch Volvo und BMW, Renault-Nissan – alle haben ambitionierte Elektrifizierungsziele kommuniziert. Volvo hat angekündigt, dass alle ab 2019 auf den Markt gebrachten Modelle einen elektrischen Motor haben werden (hierzu zählen allerdings auch sogenannte „mild hybrid“ Modelle) und dass im Jahre 2025 50% aller verkauften Autos voll elektrisch sein werden[1]. Damit ist Volvo sogar noch ambitionierter als die BMW Gruppe, deren BMWi3 sich weltweit sehr gut verkauft[2]und die trotzdem nur 15-25% E-Auto Anteil an den Verkaufszahlen in 2025 erwarten[3]. Volkswagen plant bis spätestens 2030 von jedem der ungefähr 300 Modellen der Gruppe mindestens eine elektrifizierte Version anzubieten, und schon 2025 sollen circa 25% aller verkauften VW-Fahrzeuge weltweit voll elektrifiziert sein.[4]

 

Grundlegende Veränderungen sind also auf dem Weg. Sie haben viel mit einer parallelen Entwicklung zu tun – die stark sinkenden Kosten im Bereich Batterieherstellung.  Von 2010 bis 2017 sind die Kosten für Li-Batterien um beeindruckende 79%[5]gefallen – und schon bis 2027 wird eine weitere Halbierung der Kosten erwartet[6]. Vor diesem Hintergrund erwartet Bloomberg New Energy Finance (BNEF) für einige E-Auto-Modelle Kostenparität mit vergleichbaren Verbrennern in 2024[7]–  wohlgemerkt ohne Subventionen. So ist es nicht ganz überraschend, dass BNEF für 2030 erwartet, dass 55% der Neuwagen und 33% der globalen Autoflotte voll elektrisch sein werden.[8]

 

Auch wenn solche Schätzungen immer mit Vorsicht zu genießen sind – dass diese Entwicklung Auswirkungen, sowohl auf den Öl-, als auch auf den Strommarkt haben wird, ist sehr wahrscheinlich.

 

Beispiel Öl: Der heutige Verkehr in Europa basiert zu 95%[9]auf ölbasierten Treibstoffen, ein ähnliches Bild ergibt sich im Rest der Welt. Straßenverkehr macht hier den Löwenanteil aus: 74% des Energie- (und damit des auch Öl-)verbrauchs im europäischen Verkehr fielen im Straßenverkehr an[10]. Wenn nun ein stetig wachsender Anteil der Autos keine Ölprodukte mehr verbrennt, kann schnell ein Angebot/Nachfrage Ungleichgewicht mit entsprechendem Preisverfall zustande kommen.[11]

 

Im Strommarkt liegen die Dinge etwas anders: einerseits wird die Nachfrage nach Strom durch die Elektrifizierung wachsen, wenn auch recht moderat: bei 10% E-Auto-Anteil in Europa wird eine Steigerung des europäischen Stromverbrauchs von 2-3% angenommen. [12]Gleichzeitig kann es schon bei relativ geringen E-Auto-Anteilen in Teilen der Netze zu Engpässen kommen, was gesteuertes Laden (smart charging) notwendig macht.[13]Das alles deutet erst einmal auf steigende Endkundenpreise.

Andererseits könnten die E-Autos für „load shifting[14]und auch für die Bereitstellung von Regelenergie genutzt werden[15]–  Pilotprojekte laufen bereits, teilweise sogar inklusive bi-direktionalen Ladevorgängen, also mit Rückspeisung ins Netz[16]. Beides wird tendenziell die Systemkosten senken. Auch für die ausgemusterten E-Auto-Batterien ergeben sich Möglichkeiten: mit 80% ihrer ursprünglichen Leistung sind sie für „second battery life“-Anwendungen von Interesse. In einem Amsterdamer Stadion werden beispielsweise alte Nissan-Batterien zu einem 3MW Speicher umfunktioniert und u.a. für die Speicherung des auf dem Stadion-Dach erzeugten PV-Stroms genutzt.[17]Steigende Kosten bei der Netzertüchtigung stehen hier also tendenziell sinkenden Kosten bei der Regelenergiebereitstellung und einem Zuwachs von lokalen Speicherkapazitäten gegenüber.

 

Cratos verfügt über langjährige Erfahrungen sowohl in der Automobil-, wie auch in der Energiebranche und gestaltet die notwendigen Veränderungen zusammen mit ihren Kunden.

[1] Volvo: The Future Is Electric, kein Datum

[2] CHIP: BMW i3: Deutsches Elektroauto verkauft sich gut – aber nicht in Deutschland, 26.10.2017

[3] BMW: BMW Group announces next step in electrification strategy, 25.07.2017

[4] Volkswagen: The Volkswagen Group launches the most comprehensive electrification initiative in the automotive industry with “Roadmap E”, 11.09.2017

[5]Bloomberg: Tumbling Costs for Wind, Solar, Batteries Are Squeezing Fossil Fuels, 28.03.2018

[6]Bloomberg: Li-Ion Battery Costs and Market, 05.07.2017

[7]Ebenda.

[8]Ebenda.

[9]European Environment Agency: Final energy consumption by mode of transport, 05.12.2017; Daten von 2015

[10]European Environment Agency: Final energy consumption by mode of transport, 05.12.2017; Daten von 2015

[11]Siehe dazu ein frei zugängliches Online-Tool des non-profit Think-Tanks Carbon Tracker: Carbon Tracker: How much might electric vehicles (EVs) cut in to demand for oil?, kein Datum

Oder auch: Bloomberg: Here’s How Electric Cars Will Cause the Next Oil Crisis, 25.02.2016

[12]Platform for E-Mobility: Frequently Asked Questions, kein Datum

[13]Öko-Institut und KU Leuven: Assessing the status of electrification of the road transport passenger vehicles and potential future implications for the environment and European energy system, 22.09.2016

[14]Siehe beispielsweise Gnann, Klingler und Kühnbach: The load shift potential of plug-in electric vehicles with different amounts of charging infrastructure, 30. Juni 2018

[15]Power Engineering International: Audi trails EV balancing power project, 22.01.2018

[16]Parker Project: World’s first cross-brand V2G demonstration conducted in Denmark, kein Datum.

[17]Nissan Europe: Europe’s largest energy storage system is now live at the Johan Cruijff Arena, 29.06.2018

 

 

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